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Artikel vom: 14.10.2011
Das Görlitzer Gründerzeitviertel
Vom Ruinenfeld zum Modellprojekt
Das Gründerzeitviertel in Görlitz zwischen Bahnhof-, Landeskron-, Löbauer und Krölstraße ist eines der größten Quartiere der Görlitzer Innenstadt. Eine großzügige Hoffläche wird von über 50 Wohn- und Geschäftshäusern umgeben. Noch bis in die 1950er Jahre gab es hier in den Vorder- und Hinterhäusern einen Branchenmix mit Wohn-, Arbeits- und Ladenflächen. In den 1980er Jahren ließ die Geschäftigkeit immer mehr nach, Unternehmen verzogen, die Hinterhäuser verfielen. Gebäude wurden leergezogen, weil die Wohnungen nicht mehr den Anforderungen der Mieter an die gestiegene Wohnqualität entsprachen. Mögliche Mieter und Investoren ließen sich mit dieser Ausgangssituation nicht anlocken. Die Görlitzer Gründerzeit- und Projekt GmbH und das Architektur- und Planungsbüro Toscano GmbH erkannten die Möglichkeiten des Quartiers und entwickelten ein Konzept zur Wiederbelebung des Stadtviertels. Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Vor über 10 Jahren begannen die beiden engagierten Unternehmer gemeinsam mit der Stadtverwaltung der Neißestadt die damals 120 Eigentümer zu ersten Beratungen einzuladen, sie von ihrer Idee zu begeistern und mit ins Boot zu holen. Nutzer und Bewohner des Quartiers wurden in das Projekt mit einbezogen. Mit dem Anlegen der Wegeverbindungen und der Anpflanzung von Bäumen und Grünflächen gelang es, das Quartier für die Bewohner noch attraktiver zu machen. Damit gehört das Görlitzer Gründerzeitviertel heute zu den idyllischen Plätzen der Stadt. Von der Schönheit dieses Quartiers überzeugte sich Anfang Oktober auch der EU-Kommissar Eric Dufeil, Referatsleiter Deutschland, der Generaldirektion Regionalpolitik. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Joachim Paulick und weiteren Teilnehmern vom Görlitzer Quartiersmanagement und vom Immobilienbüro Lauer nahm er das sanierte Gründerzeitquartier zwischen Bahnhof-, Kröl-, Löbauer und Landeskronstraße in Augenschein. Die Gäste informierten sich über verschiedene von der EU geförderte Projekte. Dazu gehört auch das Gründerzeitquertier der Neißestadt. Insgesamt waren 240.000 Euro zur Umgestaltung in das Stadtviertell geflossen. 180.000 Euro kamen über Fördermittel der EU und 60.000 Euro steuerte die Neißestadt bei. Nach der von April bis Oktober 2010 dauernden Baumaßnahme entstanden auf ehemals brach liegenden Flächen große Freiflächen mit Platanenalleen und kleine einladend gestaltete Aufenthaltsbereiche. Das Görlitzer Gründerzeitquartier ist vom Schmuddelkind zur Bühne geworden, auf der sich nicht nur die Künstler und Besucher beim Via-Thea, dem alljährlichen Straßentheater, gern einfinden. Auch deutschlandweit spielte das Gründerzeitviertel schon eine Rolle. So konnten sich während der 3. Projektwerkstatt „Eigentümerstandortgemeinschaften im Stadtumbau“, Anfang Mai dieses Jahres Teilnehmer aus ganz Deutschland über Modellvorhaben zu verschiedenen Themen wie Modernisierung von Immobilien und Mobilisierung von Eigentümern und Investoren informieren. Sie erörterten im Museum für Fotografie in der Löbauer Straße 7 anhand konkreter Beispiele, wie eine Wiederbelebung historischer Bausubstanz möglich sei und wie Projekte der Eigentümerstandortgemeinschaften, kurz ESG genannt, gezielt gefördert werden können. Tenor der zweitägigen Veranstaltung war ein Erfahrungsaustausch zwischen den Modellvorhaben unter Moderation des begleitenden Forschungsinstitutes Empirica AG. Die einzelnen ESGs konnten ihre bisherigen Erfolge erläutern und somit wichtige Inputs an alle anderen Akteure weitergeben. Wichtige Impulse für die Zukunft des Wohnquartiers möchten auch die Gestalter des Görlitzer Gründerzeitviertels geben. Die in Eigeninitiative organisierte Wiederbelebung einer ganz normalen Stadtgesellschaft mit guter Nachbarschaft in einem funktionierenden Wohnumfeld herbeizuführen, ist erklärtes Ziel des Görlitzer Gründerzeitquartier e.V. Für Fragen und Anregungen steht allen Bewohnern und Gewerbetreibenden das Büro im Gründerzeitquartier als Ansprechpartner zur Seite.
Quelle:
Euroregio TV

















